Die Zahnpflege ist ein Thema, das oft ein wenig untergeht – vor allem, wenn andere Pflegeaufgaben im Vordergrund stehen. Doch ein gesunder Mund ist mehr als nur Kosmetik; er ist der Schlüssel zu allgemeiner Gesundheit und Lebensqualität. Doch wie unterstützt man am besten, ohne den Überblick zu verlieren oder den Alltag noch komplizierter zu machen?
Wussten Sie, dass bis zu sechs Millionen Bakterien in unserem Mund leben? Die meisten davon sind harmlos, manche sogar hilfreich. Doch wenn die Mundhygiene vernachlässigt wird, können sich schädliche Bakterien ausbreiten und Erkrankungen wie Zahnfleischentzündungen, Parodontitis oder Mundsoor verursachen.
Das Problem: Diese Entzündungen bleiben oft nicht im Mund; Wissenschaftler haben Verbindungen zu schwerwiegenden Krankheiten wie Herzinfarkt, Lungenentzündung oder Schlaganfall festgestellt. Gerade bei pflegebedürftigen Menschen ist das Risiko höher, da oft Krankheiten wie Diabetes, Demenz oder Bewegungsstörungen die Mundgesundheit zusätzlich beeinträchtigen. Nachfolgend finden Sie ein paar Tipps, wie Sie einer pflegebedürftigen Person bei der Zahnpflege helfen können.
Schritt-für-Schritt-Anleitung: So gelingt die Zahnpflege
Vorbereitung: Der erste Schritt zu einer erfolgreichen Zahnpflege
Bevor es losgeht, hier ein kleiner Tipp: Alles griffbereit haben! Zahnbürste, Zahncreme, Becher mit Wasser und – wenn nötig – eine Schale zum Ausspucken. Und ja, bitte vorher gründlich die Hände waschen oder Einmalhandschuhe tragen, besonders bei offenen Wunden oder Infektionen. So schützen Sie sich und Ihren Angehörigen gleichermassen.
Ruhig und klar kommunizieren
Sagen Sie Ihrem Angehörigen, bevor Sie beginnen, was Sie tun möchten. Besonders Menschen mit Demenz oder eingeschränktem Verständnis brauchen eine langsame und verständliche Ansprache. Wenn Ihr Angehöriger noch einiges selbst machen kann, kann er oder sie die Zahnpflege mit Ihrer Unterstützung selbst durchführen: Richten Sie ihm oder ihr die Zahnbürste mit der Zahnpasta oder helfen Sie beim Einführen der Zahnbürste in den Mund.
Für eine aufrechte Position sorgen
Ob im Stuhl, Rollstuhl oder im Bett; Eine möglichst aufrechte Haltung verhindert, dass Wasser oder Zahnpasta verschluckt wird.
Systematisch reinigen
Putzen Sie die Zähne sanft und mit kleinen, kreisenden Bewegungen vom Zahnfleisch zu den Zähnen hin. Vergessen Sie dabei nicht die Zunge – sie ist oft ein Sammelbecken für Bakterien.
Achtung auf die Zahnzwischenräume
Nutzen Sie Zahnseide oder Interdentalbürsten. Falls Sie unsicher sind, lassen Sie sich von einem Zahnarzt oder einer Zahnärztin Tipps zur Handhabung geben.
Prothese im Blick behalten
Ist Ihr Angehöriger auf Zahnersatz angewiesen, reinigen Sie ihn nach jeder Mahlzeit gründlich. Ein Gebiss oder eine Prothese muss zumeist vor der Reinigung entnommen werden. Verwenden Sie dazu spezielle Prothesenbürsten und Reiniger.
Ausspülen und Mundwinkel pflegen
Lassen sie Ihren Angehörigen nach dem Putzen spülen und ausspucken – bei Bedarf mit einer Schale oder einem Handtuch. Falls die Mundwinkel trocken oder eingerissen sind, hilft ein wenig Vaseline.
Die häufigsten Erkrankungen im Mundraum
- Zahnfleischentzündungen
- Entzündung der Mundschleimhaut
- Entzündungen der Zunge
- Pilzbefall im Mund
- Karies
- Eingerissene Mundwinkel
Erkrankungen im Mundraum, wie beispielsweise eine entzündete Mundschleimhaut oder schlechte Zähne, können dazu führen, dass der pflegebedürftige Mensch nicht schmerzfrei kauen und essen kann. Dies kann zu Mineralstoffmangel und Mangelernährung führen. Auch die Artikulation kann durch Erkrankungen im Mundraum eingeschränkt werden. Um das zu vermeiden, sind eine gründliche Mundpflege und Zahnpflege inklusive gründlichem Zähneputzen entscheidend.
Die Wahl der Pflegeprodukte
Nicht jede Zahnpasta ist gleich, und nicht jedes Mundpflegeprodukt eignet sich für jeden. Hier ein paar Hinweise:
- Zahnpasta: Mild und ohne aggressive Inhaltsstoffe – das schont die Schleimhäute.
- Mundspülung: Wählen Sie alkoholfreie Varianten, die die Schleimhäute nicht austrocknen.
- Hausmittel: Bei leichten Entzündungen können Tees aus Salbei, Thymian oder Ringelblume helfen. Aber Vorsicht: Nicht jedes Hausmittel ist für alle geeignet. Fragen Sie im Zweifel ihren Zahnarzt oder ihre Zahnärztin.
Flüssigkeitszufuhr: Ein oft übersehener Faktor
Wussten Sie, dass Speichel ein natürlicher Schutz gegen Bakterien ist? Viele pflegebedürftige Menschen leiden an Mundtrockenheit, sei es durch Medikamente oder zu geringe Flüssigkeitszufuhr.
Was tun, wenn es nicht klappt?
Manchmal läuft die Zahnpflege nicht wie geplant. Ihr Angehöriger verschliesst den Mund oder weigert sich, mitzumachen. Was nun?
- Keine Gewalt: Drängen Sie nicht, sondern versuchen Sie es später erneut.
- Ruhig bleiben: Erklären Sie geduldig, warum die Pflege wichtig ist.
- Professionellen Rat einholen: Der Zahnarzt, die Zahnärztin oder eine Pflegeberatung können wertvolle Tipps geben.
Professionelle Unterstützung
Neben der häuslichen Pflege ist ein regelmässiger Zahnarztbesuch essenziell. Lassen Sie Zähne, Zunge und Mundschleimhaut kontrollieren – auch um Krankheiten wie Mundhöhlenkrebs vorzubeugen. Eine professionelle Zahnreinigung wird bei Pflegebedürftigen oft alle drei Monate empfohlen.
Mundpflege ist Teamarbeit
Die Zahnpflege eines pflegebedürftigen Angehörigen erfordert Geduld, Wissen und manchmal ein bisschen Kreativität. Doch mit den richtigen Massnahmen tragen Sie nicht nur zur Gesundheit Ihres Angehörigen bei, sondern auch zu seinem Wohlbefinden. Denn ein gesunder Mund schenkt Lebensfreude – und das ist jede Mühe wert.
0 Comments